1871 erfindet ein britischer Schriftsteller eine unterirdische Superzivilisation, angetrieben von einer geheimnisvollen Energie namens "Vril". Ein reiner Fantasy-Roman – bis okkulte Zirkel im Berlin der 1920er Jahre begannen, genau diese fiktive Energie für real zu halten.
"The Coming Race": Ein Roman, ernst genommen
Edward Bulwer-Lytton veröffentlichte seinen Roman als reine Fiktion – eine unterirdische Rasse, technologisch und spirituell weit überlegen dank einer universellen Energieform namens Vril. Was als literarisches Gedankenexperiment gedacht war, entwickelte ein erstaunliches Eigenleben, weil Teile des Lesepublikums die Fiktion wörtlich nahmen.
Berlin, Vorkriegszeit: Als aus Fiktion Ideologie wurde
In esoterischen Kreisen des frühen 20. Jahrhunderts kursierten Gerüchte über eine reale "Vril-Gesellschaft", die angeblich Kontakt zu dieser Energie oder gar zu den im Roman beschriebenen unterirdischen Wesen gesucht habe. Historisch belegt ist die Existenz esoterischer Zirkel in dieser Zeit – wie viel davon tatsächlich um "Vril" kreiste und wie viel spätere Legendenbildung ist, bleibt bis heute Gegenstand kontroverser Forschung.
Warum ein Roman zum Mythos werden konnte
Der Übergang von Fiktion zu vermeintlicher Realität ist selten so gut dokumentiert wie bei Vril: Eine literarische Erfindung wurde von realen Gruppen aufgegriffen, weitererzählt und schließlich mit Hohlerde-Theorien und angeblich unterdrückter freier Energie verknüpft – ein Muster, das zeigt, wie schnell aus Unterhaltungsliteratur ein Verschwörungsmythos werden kann.
Wie sich dieser Mythos mit der älteren Idee einer bewohnten Hohlerde verband, liest du im Artikel Die Hohlerde Theorie: Geschichte einer jahrhundertealten Idee.
Die komplette Spur von 1871 bis heute
Im Hörbuch "VRIL - Die Geheime Zivilisation unter der Erde" wird dieser Weg vom Roman zur Verschwörungslegende lückenlos nachgezeichnet – mit allen Verzweigungen zu Hohlerde, Tesla und angeblich unterdrückter Energietechnologie.