Kaum eine Organisation zieht so viele Legenden auf sich wie die Freimaurerei - dabei ist ihre Geschichte in Preußen erstaunlich gut dokumentiert. Ausgerechnet ein späterer König gehörte zu ihren bekanntesten Mitgliedern: Friedrich der Große.
Friedrichs Aufnahme 1738
Der preußische Kronprinz Friedrich, der spätere Friedrich II., wurde am 14. August 1738 in Braunschweig heimlich in eine Freimaurerloge aufgenommen - gegen den ausdrücklichen Willen seines Vaters, König Friedrich Wilhelm I., der der Bewegung skeptisch gegenüberstand. Nach seiner Thronbesteigung 1740 gründete Friedrich in Berlin eigene Logen und förderte die Freimaurerei offen, was der Bewegung in Preußen erheblichen Auftrieb gab.
Was preußische Logen tatsächlich waren
Historisch betrachtet waren die Logen des 18. Jahrhunderts vor allem Bündnisse gebildeter Bürger und Adliger, die sich Idealen der Aufklärung verschrieben hatten: Vernunft, Toleranz zwischen den Konfessionen und wohltätiges Engagement. Rituale und Symbolik orientierten sich an mittelalterlichen Bauhütten-Traditionen der Steinmetze, denen sich die Logen als "spekulative" - also nicht mehr handwerkliche - Nachfolgeorganisation verstanden.
Warum Geheimhaltung Misstrauen weckte
Die interne Vertraulichkeit von Ritualen und Mitgliederlisten, ursprünglich Schutz vor religiöser und politischer Verfolgung, wurde bereits im 18. und 19. Jahrhundert von Kritikern als Beleg für angebliche geheime Machtausübung gedeutet. Diese Deutung wurde besonders im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert populär und floss in zahlreiche Bücher über angebliche "unsichtbare Logen-Netzwerke" hinter der Weltpolitik ein - eine Erzähltradition, die bis in die alternative Literatur der Gegenwart fortwirkt.
Die reale historische Forschung
Freimaurerhistoriker wie Helmut Reinalter oder die Forschungsstelle der Vereinigten Großlogen von Deutschland dokumentieren die preußische Logengeschichte heute detailliert an Hand von Mitgliederbüchern, Protokollen und Korrespondenzen - Materialien, die weit weniger geheimnisvoll sind als ihr Ruf: überwiegend Vereinsverwaltung, wohltätige Spendenaktionen und philosophische Debattierabende.