Riesenmythen weltweit: Warum fast jede Kultur von Riesen erzählt

Riesenmythen weltweit

Griechische Titanen, nordische Jotun, baskische Jentilak, mesopotamische Helden wie Gilgamesch – völlig unabhängige Kulturen ohne jeden Kontakt zueinander erzählen dieselbe Grundgeschichte: Vor uns lebten Riesen. Zufall, oder Erinnerung an etwas Reales?

Ein globales Muster ohne offensichtliche Verbindung

Was diese Mythen bemerkenswert macht, ist nicht die Existenz einzelner Riesengeschichten – sondern wie viele voneinander völlig unabhängige Kulturen auf verschiedenen Kontinenten zur selben Grundidee kommen. Skeptiker sehen darin ein universelles menschliches Erzählmuster. Andere fragen: Warum ausgerechnet dieses Muster, und warum so konsistent?

Von Gilgamesch bis zu den nordischen Jotun

Im mesopotamischen Gilgamesch-Epos, einem der ältesten erhaltenen Texte der Menschheit, treten übermenschliche Wesen auf. Die griechische Mythologie erzählt in der Gigantomachie vom gewaltigen Kampf der Giganten und Titanen gegen die jungen olympischen Götter. Die nordische Mythologie beschreibt die Jotun als eine ältere, mächtigere Generation vor den Göttern selbst, entstanden aus dem Urriesen Ymir. Im Baskenland erzählt die Folklore von den Jentilak, einem Volk von Riesen, das der Legende nach beim Aufkommen des Christentums aus den Bergen verschwand. Alle diese Erzählungen entstanden geografisch und zeitlich vollkommen getrennt voneinander – und folgen trotzdem einer erstaunlich ähnlichen Struktur: Riesen als ältere, ursprünglichere Bewohner der Welt.

Der Cardiff Giant: Eine Warnung aus der Geschichte

Wie leicht sich der Wunsch nach greifbaren Riesenbeweisen instrumentalisieren lässt, zeigt der berühmte "Cardiff Giant"-Fall von 1869: Eine angeblich versteinerte, drei Meter große Menschenfigur wurde in einem Bauernhof im US-Bundesstaat New York "entdeckt" und gegen Eintrittsgeld ausgestellt, bevor sich herausstellte, dass ein Zigarrenhändler namens George Hull die Figur eigens aus Gips hatte anfertigen lassen, um gläubige Zeitgenossen zu täuschen – sogar der berühmte Schausteller P.T. Barnum versuchte danach, eine eigene Kopie der Fälschung auszustellen. Ein dokumentiertes Lehrstück dafür, wie real das Bedürfnis nach "Riesenbeweisen" historisch war – und wie oft es ausgenutzt wurde.

Erklärungsversuche: Von Psychologie bis Paläontologie

Erklärungen reichen von universeller menschlicher Psychologie (die Vorfahren idealisieren, überhöhen) bis zu der Theorie, dass Funde großer fossiler Knochen prehistorischer Tiere – etwa von Mammuts oder ausgestorbenen Riesenelefanten – von frühen Kulturen als Beweis für Riesen fehlgedeutet wurden. Beide Erklärungen sind plausibel – keine davon erklärt restlos, warum das Muster ausgerechnet so global konsistent ist.

Was die biblische Version dieses Musters, die Nephilim, konkret aussagt, liest du im Artikel Wer waren die Nephilim? Was die Bibel wirklich über die Riesen sagt.

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