Kaum eine Figur der Weltliteratur hat sich so stark gewandelt wie Satan. Wer im Buch Hiob nach dem Teufel sucht, wie wir ihn heute kennen, mit Hörnern, Feuer und Rebellion, wird ihn nicht finden. Wie aus einem nüchternen Amtstitel der mächtigste Gegenspieler der Christenheit wurde, ist eine der faszinierendsten Geschichten der gesamten Theologie.
Ein Amtstitel, kein Eigenname
Im hebräischen Urtext des Alten Testaments bedeutet das Wort satan schlicht Widersacher oder Ankläger. Im Buch Hiob tritt der Satan als Mitglied des himmlischen Hofstaats auf, quasi als eine Art Staatsanwalt, der vor Gott Anklage gegen Hiob erhebt. Von einem eigenständigen, gegen Gott rebellierenden Wesen ist dort keine Rede. Erst in späteren Texten wandelt sich der Begriff allmählich von einer Funktion zu einer Figur mit eigener Identität. Dieser eine Bedeutungswechsel hat die halbe Kulturgeschichte des Abendlands geprägt.
Die entscheidende Wende zwischen den Testamenten
In den Jahrhunderten zwischen dem Alten und dem Neuen Testament, einer Epoche, die Theologen oft als intertestamentarische Zeit bezeichnen, verändert sich das Bild radikal. Unter dem Einfluss persischer und hellenistischer Vorstellungen entsteht die Idee eines kosmischen Gegenspielers Gottes, eines gefallenen Engels, der eigenständig Böses in die Welt bringt. Texte aus dieser Zeit, die nicht in den biblischen Kanon aufgenommen wurden, prägen bereits viele Motive, die später fest mit Satan verbunden werden, allen voran den Sturz aus dem Himmel und den Kampf gegen Gottes Ordnung.
Das Neue Testament und die Offenbarung
Im Neuen Testament erscheint Satan schließlich als aktiver Verführer, etwa in der Versuchungsgeschichte Jesu in der Wüste. Am dramatischsten wird seine Rolle in der Offenbarung des Johannes ausgemalt, in der von einem Drachen die Rede ist, der für tausend Jahre gebunden und danach für eine kurze Zeit wieder freigelassen wird. Genau dieser oft überlesene Vers, Offenbarung 20 Vers 3, ist bis heute Gegenstand intensiver theologischer Debatten, weil unklar bleibt, wie lange diese kurze Zeit dauert und was sie für die Gegenwart bedeutet.
Ein Hörbuch, das genau an diesem überlesenen Vers ansetzt
Genau diese selten beachtete Passage nimmt das Hörbuch DIE HERRSCHAFT SATANS, Unter dem Joch des Bösen von Lorenz Lauber zum Ausgangspunkt. Der Autor, selbst ausgebildeter Theologe, entwickelt daraus eine eigene Deutung der biblischen Zeitachse und stellt die Frage, ob diese kurze Zeit vielleicht längst begonnen hat. Eine Lesart, die deutlich von den traditionellen Auslegungen abweicht und genau deshalb zum Weiterdenken einlädt. Wenn dich diese eine Zeile nicht mehr loslässt, findest du hier die ganze Argumentation.
Weiterlesen und hören
Woher die moralische Panik der 1980er Jahre rund um angebliche satanische Rituale wirklich stammte, erklären wir in Satanic Panic, wie eine moralische Panik in den 1980ern Amerika erfasste. Die Fortsetzung der Gedanken aus diesem Hörbuch findest du in Der Fürst der Finsternis. Weitere Titel zum Thema findest du in der Kategorie Okkultismus und Dunkle Mächte.
Auch als Taschenbuch erhältlich
Diese Titel gibt es auch zum Selberlesen: "Der Fürst der Finsternis" und "Die Herrschaft Satans: Unter dem Joch des Bösen!".
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