Die Seeschlange: Was Seefahrer wirklich sahen

Was Seefahrer wirklich sahen - Seeschlange

1848 meldete die Besatzung der britischen Fregatte HMS Daedalus, vor der Küste Südafrikas ein etwa 18 Meter langes, schlangenförmiges Wesen gesichtet zu haben - ein Bericht, der sogar in der Londoner Times abgedruckt wurde und bis heute zu den bekanntesten "Seeschlangen"-Sichtungen der Seefahrtsgeschichte zählt. Die Seeschlange ist damit eines der wenigen mystischen Wesen, für das detaillierte, namentlich unterzeichnete Augenzeugenberichte von Marineoffizieren existieren.

Der Daedalus-Bericht von 1848

Kapitän Peter M'Quhae und seine Offiziere unterzeichneten nach ihrer Rückkehr einen detaillierten schriftlichen Bericht, in dem sie ein dunkles, schlangenartiges Tier beschrieben, das über mehrere Minuten in Sichtweite des Schiffs blieb. Der Fall sorgte für erhebliches Aufsehen in der viktorianischen Öffentlichkeit und wurde von Naturforschern der Zeit - darunter der bekannte Anatom Richard Owen - kontrovers diskutiert. Owen selbst hielt eine große Robbe oder einen Seelöwen für die wahrscheinlichste Erklärung.

Hans Egede und die norwegische Tradition

Älter noch ist der Bericht des dänisch-norwegischen Missionars Hans Egede, der 1734 vor Grönland ein großes, ungewöhnliches Meereswesen beobachtet haben will und dies in seinem Missionstagebuch festhielt. Skandinavische Seefahrertraditionen kennen zudem seit Jahrhunderten den Begriff des "Kraken" für riesige Meeresungeheuer - ein Begriff, der später zumindest teilweise mit real existierenden Riesenkalmaren in Verbindung gebracht wurde, die tatsächlich Längen von über zwölf Metern erreichen können.

Die naturwissenschaftlichen Erklärungsansätze

Moderne Kryptozoologen und Meeresbiologen führen einen großen Teil historischer Seeschlangensichtungen auf eine Kombination realer, aber selten gesehener Tiere zurück: Riemenfische (Regalecus glesne), die über elf Meter lang werden können und normalerweise in großer Tiefe leben, aber gelegentlich verletzt oder sterbend an die Oberfläche treiben; große Riesenkalmare; sowie hintereinander schwimmende Gruppen von Delfinen oder Robben, die von Ferne wie ein einzelnes, sich windendes Tier wirken können.

Ein universelles Motiv der Seefahrt

Wie beim Drachenmotiv fand bereits Charles Gould in seinem 1886 erschienenen Werk "Mythical Monsters" zahlreiche historische Seeschlangenberichte aus verschiedensten Seefahrernationen und ordnete sie in dieselbe Kategorie überlieferter Realbeobachtungen ein wie Drachen und andere große Reptilien. Mehr zu Goulds Gesamtwerk und seiner Methode liest du im Artikel Mythical Monsters von Charles Gould.

Die Deutung im Taschenbuch

Das Taschenbuch "Die mystischen Kreaturen der Alten Welt" von Max Ehrenberg widmet der Seeschlange ein eigenes Kapitel und deutet die historischen Sichtungen als Belege für das Überleben großer, unbekannter Meeresreptilien aus einer früheren Epoche. Ob Riemenfisch, Riesenkalmar oder ungelöstes Rätsel der Tiefsee - die Seeschlange bleibt eines der am besten dokumentierten mystischen Meereswesen der Seefahrtsgeschichte.

Auch als Taschenbuch erhältlich

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