Platons Atlantis-Bericht: Was Timaios und Kritias wirklich erzählen

Die Urquelle von Atlantis - antike Marmortafel am Strand

Jede Atlantis-Theorie, ob wissenschaftlich belächelt oder alternativ gefeiert, führt am Ende zu einem einzigen Ausgangspunkt zurück: zwei Dialogen des griechischen Philosophen Platon aus dem 4. Jahrhundert vor Christus. Ohne Timaios und Kritias gäbe es die Atlantis-Idee schlicht nicht - und genau deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf das, was dort tatsächlich steht.

Solon, Ägypten und die Priester von Sais

Platon lässt die Atlantis-Geschichte nicht selbst erzählen, sondern legt sie seinem Verwandten Kritias in den Mund, der sie wiederum auf eine Überlieferung des athenischen Staatsmannes Solon zurückführt. Solon, so die Rahmenhandlung, habe die Geschichte um 590 v. Chr. bei einem Aufenthalt in der ägyptischen Stadt Sais von dortigen Priestern gehört. Diese hätten ihm vorgeworfen, die Griechen seien wie Kinder, weil sie keine wirklich alten Überlieferungen besäßen - im Gegensatz zu den Ägyptern, die schriftliche Aufzeichnungen über eine Zivilisation namens Atlantis führten, die vor rund 9.000 Jahren unterging.

Die Insel "größer als Libyen und Asien zusammen"

Im Dialog Timaios beschreibt Platon Atlantis als Inselreich "jenseits der Säulen des Herakles", also westlich der Straße von Gibraltar, von der Größe her angeblich größer als Nordafrika und Kleinasien zusammengenommen. Die Atlanter hätten über eine hochentwickelte Zivilisation mit Kanalsystemen, Tempeln und einer mächtigen Flotte verfügt und schließlich Kriege gegen das antike Athen geführt, bevor die Insel "in einer einzigen schrecklichen Nacht" durch Erdbeben und Fluten im Meer versank.

Kritias: Die detaillierteste Beschreibung der Antike

Der nach Solons Gewährsmann benannte Dialog Kritias liefert die ausführlichste erhaltene antike Beschreibung: konzentrische Ring-Kanäle aus Wasser und Land, ein Palast mit Mauern aus rotem, weißem und schwarzem Gestein, ein Poseidon-Tempel mit goldener Statue. Auffällig ist, dass der Dialog mitten im Satz abbricht - Platon hat Kritias nie fertiggestellt. Ob dies Zufall, bewusste Anlage oder schlicht Platons Tod war, ist bis heute unter Altphilologen umstritten.

Metapher, Geschichtsbericht oder beides?

Die klassische Philologie ist sich seit der Antike uneinig, wie ernst Platon seine eigene Geschichte gemeint hat. Aristoteles, Platons eigener Schüler, soll Atlantis als reine Erfindung abgetan haben, um eine politische Idealgesellschaft zu illustrieren - ähnlich der Funktion, die Platons eigener "Idealstaat" in der Politeia einnimmt. Andere antike und spätere Autoren nahmen die geografischen Angaben hingegen wörtlich und suchten seit Jahrhunderten nach dem tatsächlichen Ort des Untergangs.

Von der antiken Fußnote zum modernen Mythos

Über 2.000 Jahre lang blieb Atlantis eine Randnotiz der Platon-Forschung. Das änderte sich erst 1882 grundlegend, als der US-amerikanische Autor Ignatius Donnelly mit seinem Buch "Atlantis: The Antediluvian World" die Geschichte zu einer globalen Ursprungszivilisation ausbaute, von der angeblich sämtliche alten Hochkulturen abstammen sollen. Wie genau Donnelly zu dieser Deutung kam und warum sein Buch bis heute die Grundlage nahezu jeder modernen Atlantis-These bildet, verfolgt der Artikel Ignatius Donnelly: Der Mann, der Atlantis 1882 wiederentdeckte.

Was das Taschenbuch "ATLANTIS" daraus macht

Das Taschenbuch "ATLANTIS: Die Wahrheit über den versunkenen Kontinent!" von Max Ehrenberg nimmt Platons Bericht als Ausgangspunkt und verknüpft ihn mit einer Rahmenerzählung um ein angeblich handschriftlich überliefertes Manuskript von den Azoren. Ob man Platons Text als politische Parabel, als verzerrte Erinnerung an eine reale Katastrophe (etwa den Vulkanausbruch von Thera) oder als vollständige Erfindung liest - die Debatte darüber ist über zwei Jahrtausende alt und wird durch jede neue Atlantis-These von Neuem befeuert.

Auch als Taschenbuch erhältlich

Diese Geschichte gibt es auch zum Selberlesen: "ATLANTIS: Die Wahrheit über den versunkenen Kontinent!".

→ Jetzt "ATLANTIS" als Taschenbuch entdecken